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Auf dem Araber zum WüstenfuchsIm Sattel zu den Pyramiden von Gizeh und Sakkara:
Bei so einem Ägypten-Ausflug stehen ausnahmsweise einmal nicht die Pharaonen im Mittelpunkt, sondern die edlen Vollblüter
Von Sabine Richter / Welt am Sonntag
Bei einem starken, süßen Pfefferminztee unter schattigem Blätterdach verteilt Mohammed die Pferde. Sie sollen zum Können und zum Temperament ihres Reiters passen, schließlich wird man auf dieser Reitsafari rund um Kairo sieben Tage miteinander verbringen. Die achtköpfige, buntgemischte Gruppe, die mit den berühmten Pferden in die Weite der Wüste und zu den ägyptischen Sehenswürdigkeiten reiten will, trabt zufrieden in den ersten Tag. Die Pyramiden von Gizeh, die kolossalen Königsgräber von Cheops, Chefren und Mykerinos, liegen noch im Morgennebel, doch für uns sind die Pferde erst einmal wichtiger. Wir lernen sie schnell schätzen. Trotz des manchmal überschäumenden Temperaments sind sie gutmütig - und in bester Kondition. Die ersten hundert Meter werden noch in gemächlichem Schritt zurückgelegt, dann beginnen die Pferde zu tänzeln. Wir kämpfen nicht lange dagegen an und geben ihnen die Zügel frei zum ersten wilden Galopp hinein in die Wüste. Geritten wird mit englischem Zaum, aber mit sehr scharfen Gebissen. Kräftige Zügel- und Schenkelhilfen sind unnötig, die Vollblüter lassen sich mit einem Finger lenken und erweisen sich als absolut zuverlässig und trittsicher. Vor allem regen sie sich über nichts auf Eine schöne Erfahrung für uns, die wir an verwöhnte heimische Warmblüter gewöhnt sind.
Erschöpft fallen wir auf das Lager aus Kissen und Teppichen, eindeutig erschöpfter als unsere Pferde. Frisches Obst und Minzetee für uns, Wasser und Grünfutter für die Pferde.
Mohammed Omar und seine Helfer sind auch abends immer vor uns am Lagerplatz und sorgen dafür, dass alles für die müde den trockengeführt und gefüttert, die Schlafzelte sind aufgebaut, der Tee ist fertig, und aus dem Küchenzelt dringt ein köstlicher Duft. Die hungrige Gruppe rückt zusammen und wundert sich, wie unter solch primitiven Bedingungen ein derart köstliches und vielseitiges Abendessen aufgetischt werden kann: Hackfleisch mit Gemüse, Bohnenmehlklopse, gefüllte Weinblätter, Huhn, Hammelspieße und süße Teigtaschen und natürlich Fladenbrot.
Die Weite und Stille der Wüste, der Blick in den Sternenhimmel, das alles entspannt, wir schlafen wie Steine. Der nächste Morgen beginnt mit warmem Waschwasser, von einem unserer arabischen Betreuer in der Blechkanne serviert'. Danach Frühstück im großen Zelt. Unsere Reitbegleiter sind jede Minute für uns und die Pferde da. Mit nie nachlassender Freundlichkeit und Geduld binden sie uns vor Aufbrach arabische Tücher - der beste Schutz gegen Sonne und Wind. Sie drängen uns, regelmäßig zu trinken, reparieren den gerissenen Sattelgurt, richten das Zaumzeug.
Die nächsten Etappen führen uns zur Ausgrabungsstätte Karamis, dem Gräberfeld von Sakkara mit dem Grab des Imhotep. Dazwischen Wüstenlandschaft, an der wir uns kaum satt sehen können: Felsformationen, die an versteinerte Wälder erinnern und auf denen Wüstenfüchse keine Eile haben, sich zu verstecken. Hellbraune Dünen, vom Wind geriffelt, Kieselfelder, Viel geredet wird nicht auf dem Trail, die Einsamkeit, aber auch der gleitende Sonnenhimmel und der Wüstenwind lassen uns verstummen.
Wir kommen durch ein ägyptisches Dorf. Farbenfroh gekleidete Kinder reiten auf Eseln, junge Frauen scheuern am Ufer eines Flüsschens metallenes Kochgeschirr. Im selben Gewässer bekommen unsere Pferde eine gründliche Abreibung. Das Leben der Fellachen scheint sich seit biblischen Zeiten kaum geändert zu haben, wenn nicht die männliche Dorjugend an jeder Ecke stolz Motorräder oder Mofas auf Hochglanz wienern würde. Wir machen eine Erfrischungspause im Hotel "Auberge Fayoum", übernachtet wird jedoch wieder im Zelt, nur unsere Pferde dürfen in einem richtigen Stall schlafen. Sie danken es uns am nächsten Morgen mit frischer Dynamik. Kaum sind wir aus dem Dorf heraus, werfen sie die Köpfe' hoch und fordern tänzelnd ihr Recht auf Bewegung. Und schon beginnt der erste Galopp des neuen Tages, hinein in die Wüste-. Reiter-Freiheit ...
Anreise: Frankfurt-Kairo mit Lufthansa ab 855 Mark. lnfo: WELT am SONNTAG reiste mit "Pferd & Reiter" (rel. 040/607 66 90, Fax 60 76 69 31, www.pferdreiter.de). Die Acht Tage-Tour kostet ohne Anreise 3099 Mark. |
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